Ein Gebäudeleben (Innovationsfonds 2024)
In Deutschland werden ca. 1,9 Mio. qm Wohnfläche pro Jahr und ca. 7,5 Mio. Nutzfläche abgerissen. Die aktuelle Sanierungsquote liegt bei 1 bis 2 Prozent. Die Bestrebungen des Bundes und der Bundesländer die Zielvorgaben der Klimaneutralität bis zu den jeweiligen Stichtagen 2040/45/50 zu erreichen, sind nur möglich durch den Umbau von Bestandsgebäuden, zum einen aufgrund der gespeicherten grauen Energie und zum anderen aufgrund der Ressourcenbedarfsreduzierung durch den Erhalt von Materialien und Bauteilen. Weiterhin trägt Bauen im Bestand dazu bei, die Versiegelung von Flächen zu reduzieren. In Deutschland werden täglich ca. 60 ha Landschaft bebaut. Im Rahmen einer Kooperation mit der Stadt Potsdam konnten Studierende der BHT dies anhand von umgebauten Beispielen ehemaliger Kasernengebäude veranschaulichen. Das Projekt „Ein Gebäudeleben“ zeigt anschaulich die Qualitäten der Wiederverwendung von Gebäuden auf.
Nachhaltiges Entwerfen und Bauen bedeutet heute mehr denn je Bauen im Bestand. Mit der Untersuchung und der Ausstellung zu umgebauten Projekten soll ein Bewusstsein dafür hergestellt werden, dass Bauen im und mit Bestand historisch gesehen den Regelfall darstellt und auf Grund von städtebaulichen, ökologischen und architektonischen Faktoren wieder zur Schlüsselaufgabe unseres Schaffens werden wird. Eine forschende Auseinandersetzung zu den Anforderungen soll Einblicke in die räumlichen, konstruktiven, funktionalen und ästhetischen Qualitäten von Räumen geben.
Eine Gruppe Studierender hat dies anhand von umgebauten Beispielen des Typus von Kasernengebäuden veranschaulicht. Das Gebäude hat sich mindestens im zweiten Lebenszyklus befunden und ist mindestens einmal umgebaut worden. Die Aufgabe bestand darin, dass die Gebäude im Zuge einer Exkursion aufgenommen und Informationen zu deren Geschichte sowie Bestandzeichnungen recherchiert werden. Es wurde herausgefunden, welche Veränderungen vorgenommen wurden und welche Faktoren den Umbau bzw. ein zweites, drittes, viertes „Leben“ ermöglicht haben. Mit Rot-Gelb Plänen zu verschiedenen Bauzuständen wurden die Veränderungen in unterschiedlichen Stadien schrittweise lesbar gemacht werden. Über eine Baualterskartierung mit unterschiedlichen Farben wurde der vorliegende Bestand in seinen Phasen von Umbau, Weiterbau, Aufstockung und Ergänzung abgebildet.
Kontakt
Berliner Hochschule für Technik
Prof. Dipl.-Ing. Matthias Haber
MatthiasRudolf.Haber@bht-berlin.de