Gemeinsam Stadtnatur erleben – Ein Seminar zwischen Gartenarbeit, Begegnung und Forschung (Innovationsfonds 2026)
Was kann ein Gemeinschaftsgarten mit Sozialer Arbeit zu tun haben? Und was lässt sich lernen, wenn Studierende den Seminarraum verlassen und gemeinsam mit Menschen aus dem Kiez praktisch aktiv werden? Diesen Fragen gingen Studierende der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) im Wahlpflichtseminar „Gemeinsam Stadtnatur erleben – Partizipative soziale Teilhabe praktisch und wissenschaftlich erproben“ nach.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Rebekka Streck wurde der Rollbergkiez in Neukölln für mehrere Wochen zum gemeinsamen Lern- und Forschungsort. Das Seminar wurde im Sommersemester 2026 vom Innovationsfonds von „Zukunft findet Stadt“ gefördert und gemeinsam mit dem Gemeinschaftsgarten Rollberg Paradise, der Fixpunkt gGmbH, dem Quartiersmanagement Rollbergsiedlung und dem Bezirksamt Neukölln umgesetzt. Die Idee dahinter war einfach: nicht nur über Soziale Arbeit sprechen, sondern sie gemeinsam ausprobieren.
Lernen mit den Händen
Im Rollberg Paradise gab es dafür jede Menge Gelegenheit. Einige Studierende pflegten Beete, ernteten Gemüse oder bauten einen Tomatenunterstand. Andere waren gemeinsam mit den Peers von Fixpunkt im Kiez unterwegs, sammelten Konsumrückstände oder halfen dabei, Piktogramme vor Kinder- und Jugendeinrichtungen zu sprühen.
Zwischendurch wurde gekocht, gegessen und gemeinsam Pause gemacht. Andere erkundeten den Sozialraum oder beschäftigten sich mit der Öffentlichkeitsarbeit des Projekts. Die verschiedenen Gruppen arbeiteten dabei nicht einfach nebeneinander. Beim Gärtnern, Sprayen oder gemeinsamen Essen kamen die Studierenden mit Menschen ins Gespräch, deren Perspektiven sie im Seminarraum vielleicht nicht kennengelernt hätten. Aus gemeinsamen Aufgaben entstanden Begegnungen – und aus Begegnungen neue Einblicke in den Kiez und die Menschen vor Ort. So wurde der Garten zu einem Ort, an dem sich ganz praktisch erfahren ließ, was soziale Teilhabe bedeuten kann: gemeinsam etwas tun, Verantwortung übernehmen, miteinander ins Gespräch kommen und unterschiedliche Erfahrungen kennenlernen.
Den Rollbergkiez kennenlernen
Zum Lernen gehörte außerdem, die verschiedenen Menschen und Einrichtungen kennenzulernen, die im Rollbergkiez aktiv sind. Die Studierenden kamen unter anderem mit dem Suchthilfekoordinator des Bezirks Neukölln ins Gespräch und erhielten Einblicke in die Zusammenarbeit im Sozialraum. Auch die Arbeit von Fixpunkt und dem Quartiersmanagement Rollbergsiedlung konnten sie aus nächster Nähe kennenlernen. Die Studierenden führten dazu Interviews mit den Peers von Fixpunkt und gingen der Frage nach, welche Bedeutung das Projekt und der Gemeinschaftsgarten für sie haben. Auch das Seminar selbst wurde anschließend wissenschaftlich ausgewertet: Mithilfe einer Umfrage untersuchten die Studierenden, wie sie die gemeinsamen Erfahrungen wahrgenommen hatten und gingen der Frage nach, welchen Beitrag gemeinschaftliches Arbeiten zu sozialer Teilhabe leisten kann.
Von Neukölln auf die Transferale
Am 3. Juli 2026 wurden die Erfahrungen schließlich auf der Transferale vorgestellt. Die Studierenden präsentierten dort ihre Arbeit, berichteten von den Begegnungen im Rollbergkiez und gaben Einblicke in ihre Interviews und die Ergebnisse der Evaluation. Was im Gemeinschaftsgarten begonnen hatte, wurde so zum Ausgangspunkt für einen weiteren Austausch: darüber, wie Hochschulen gemeinsam mit Praxispartner*innen forschen und lernen können – und darüber, welche Rolle Orte wie Gemeinschaftsgärten für Teilhabe und Zusammenhalt in der Stadt spielen.
Für die Studierenden der EHB war das Seminar eine besondere Erfahrung, so Johanna Kullmann, die an der EHB Soziale Arbeit studiert: „Das Seminar hat mir gezeigt, wie bereichernd forschendes Lernen sein kann, wenn Theorie und Praxis zusammenkommen. Vor allem aber hat es uns ermöglicht, neue Menschen kennenzulernen, gemeinsam etwas Sichtbares zu schaffen und Soziale Arbeit außerhalb der Hochschule zu erleben." Ein großes Dankeschön für die tolle Zusammenarbeit und die vielen spannenden Einblicke geht deshalb von den Studierenden an alle beteiligten Projektpartner*innen, insbesondere an Fixpunkt und den Gemeinschaftsgarten Rollberg Paradise.