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Farbeimer in den Kreislauf! Wie ein Retreat Lösungen für mehr Recycling im Handwerk bringt

(c) Zukunft findet Stadt / Leo Fenster

Was passiert mit benutzten Farbeimern? Meist landen sie – samt Farbresten – im Baustoffmischabfall und werden verbrannt. Dabei bestehen sie aus hochwertigem Kunststoff, der sich theoretisch recyceln ließe. In einem zweitägigen Design-Thinking-Retreat arbeiteten 17 Teilnehmende aus Handwerk, Wissenschaft und Industrie im November 2024 an Lösungen, um den Farbeimerkreislauf neu zu gestalten.

 

Farbeimer aus Kunststoff landen trotz ihres Materials selten im Wertstoffkreislauf. Das liegt an mehreren Faktoren:

  • Farbreste machen das Material unbrauchbar. Für Malerbetriebe bedeutet die Reinigung Aufwand, der meist nicht vergütet wird.
  • Rückgabesysteme fehlen. Es gibt kaum praktikable Wege, die Eimer gesammelt und sortenrein zurückzuführen.
  • Mischkunststoffe sind kein besonderes Problem mehr. Führende Hersteller von Eimern setzen bereits auf Monokunststoffe.

 

Das IWR Farbeimerkreislauf – Ein kooperativer Lösungsversuch

Die Handwerkskammer Berlin brachte das Thema in das Hochschulnetzwerk Zukunft findet Stadt ein. Gemeinsam wurde dann ein zweitägiger Retreat organisiert – ein Workshop-Format abseits des Alltags, in dem Forschende gemeinsam mit Praxispartner*innen an konkreten Herausforderungen arbeiten.

„Die nachhaltige Nutzung von Ressourcen ist auch im Handwerk längst eine zentrale Aufgabe“, sagt Kerstin Wiktor, Leiterin Innovationsmanagement bei der Handwerkskammer Berlin. „Farbeimer sind ein ideales Beispiel: Sie sind tägliches Arbeitsmaterial – und gleichzeitig eine Stellschraube für mehr Kreislaufwirtschaft.“

Mit dabei: Wissenschaftler*innen von BHT, HTW und HWR Berlin sowie Malermeisterbetriebe, der Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Berlin-Brandenburg, die Handwerkskammer Berlin, ein Farbeimerhersteller und Abfallentsorger. Gemeinsam entwickelten sie über die Phasen des Design Thinking-Prozesses Ideen bis zu Prototypen weiter.

Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig der soziale Raum war: Austausch beim gemeinsamen Wandern oder in Pausen sorgte für Offenheit und Kreativität – und förderte neue Kooperationen.

 

Wie geht’s weiter?

Die entstandenen Ideen werden seit dem Retreat im Rahmen eines Praxisnetzwerks weiterentwickelt. Es passieren vertiefende Forschungsarbeiten und Planungen, z.B. für die Erstellung von Sensibilisierungsmaterial für Betriebe, um das Problembewusstsein bei Mitarbeitenden zu stärken. Die Herausforderung selbst wird mittlerweile von der Ebene Berlins hinaufgetragen zum Zentralverband des Handwerks, um sie auf der digitalen Plattform “Make Innovation Handwerk” deutschlandweit gemeinsam zu bearbeiten. 

Das Ziel: Lösungen, die Handwerk, Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen nützen – und die sich vom Modellprojekt zur Standardpraxis entwickeln, damit mehr Farbeimer im Kreislauf bleiben!