Grüne Innovationen in Hochschulen – ein Retreat zur nachhaltigen Entwicklung bezieht das Umfeld explizit mit ein
Wie kann eine Hochschule nachhaltiger werden – nicht nur intern, sondern gemeinsam mit ihrem Umfeld? Vom „Unternehmen nebenan“ über den Anschluss an das ÖPNV-Netz oder das Start-up-Ökosystem, das Umfeld von Hochschulen in Berlin ist nicht nur divers, sondern auch komplex. Im IWR NahFeld hat sich eine interdisziplinäre Gruppe dieser Herausforderung gestellt. In einem zweitägigen Design-Thinking-Retreat wurden konkrete Ideen entwickelt, wie die nachhaltige Entwicklung von Hochschulen im Zukunft Stadt-Verbund gemeinsam mit externen Akteur*innen vorangebracht werden kann.
„Das Hochschulumfeld umfasst interne und externe Strukturen auf materiell-physischen und sozial-kulturellen Ebenen“ – auf diese Arbeitsdefinition einigten sich die zwölf Teilnehmenden gleich zu Beginn des Workshops. In Kleingruppen wurden Assoziationen und Beispiele gesammelt, Begrifflichkeiten geschärft und erste Verbindungen zwischen Nachhaltigkeit und Umfeldbezug sichtbar gemacht. Das war die erste Phase im zweitägigen Design Thinking Prozess dieses Innovation Work Retreats, kurz IWR, im Sommer 2024.
Insgesamt war es ein kleiner, engagierter Kreis mit Perspektiven aus den Nachhaltigkeitswissenschaften zweier Berliner Hochschulen (HWR und HTW Berlin) sowie von zwei Praxispartnern wie Bastian Steig vom Start-Up Prevact und Norman Hiob als Vertreter der Wirtschaftsjunioren Berlin. Die Beteiligung vom Museum für Naturkunde musste krankheitsbedingt leider ausfallen.
Im Kreativraum des SIB, dem Startup Incubator der HWR Berlin, widmete sich die Gruppe zwei zentralen Herausforderungen als Ausgangspunkt:
- Wie kann die aktive Mitgestaltung engagierter Akteur*innen aus dem Umfeld an der nachhaltigen Entwicklung von Hochschulen gefördert werden?
- Wie lässt sich die praxisnahe Erfahrung von Studierenden in Nachhaltigkeitsthemen stärken?
Design Thinking mit Reallabor-Spirit
Unter der Leitung von Mechthild Bonnen und Falko Carl durchliefen die Teilnehmenden einen intensiven co-kreativen Prozess, von der Problemdefinition bis zur Ideenentwicklung. Falko Carl promoviert zu Reallaboren und brachte diese Perspektive aktiv in den Retreat ein.
In der Analysephase wurden Personas entwickelt, die unterschiedliche Akteur*innen im Hochschulumfeld repräsentieren. Deren Bedürfnisse, Motivationen und Hürden für Engagement wurden anschließend in Challenge-Radars visualisiert und als Grundlage für kreative Ideenfindung genutzt. Beim anschließenden „Ideen-Ping-Pong“ wurden Ideen der Teilnehmenden durch die Gruppe iterativ weiterentwickelt und schließlich in ersten Mini-Prototypen „greifbar“ gemacht.
(c) Zukunft findet Stadt / Falko Carl
Drei Ideen mit Potenzial
Drei besonders weitergedachte Ideen aus dem Retreat möchten wir hervorheben:
+ Partizipative Plattform für Nachhaltigkeit
Eine hochschulübergreifende Online-Plattform zur transparenten Beschreibung, Messung und Bearbeitung von Nachhaltigkeitszielen, Challenges und Petitionen – offen für interne und externe Akteur*innen.
+ "Think & Drink" – Begegnung auf Augenhöhe
Ein regelmäßiges, informelles Austauschformat, das unterschiedliche Personen aus dem Hochschulumfeld niedrigschwellig zusammenbringt – für Inspiration, Kooperation und konkrete Projektideen.
+ Buddy-Programm für Nachhaltigkeit
Ein erweitertes Onboarding für neue Hochschulmitglieder, bei dem ein Fokus auf die Orientierung im nachhaltigkeitsbezogenen Umfeld der Hochschule liegt – mit Informationen, Verbindungen und Mitmachangeboten.
Ein Retreat – viele Wege in die Zukunft
Norman Hiob, ehemaliger Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Berlin, sagt über seine Teilnahme: „Als Praxispartner konnte ich wertvolle Verbindungen knüpfen und von den Perspektiven der Teilnehmenden lernen. Jede Hochschule hat einzigartige Erfahrungen und Ansätze, von denen wir profitieren können.“ Sein Fazit: „Der Austausch von Ideen und Best Practices ist essenziell – und ich war dankbar, als Hochschulexterner aktiv einbezogen zu werden.“
Der IWR NahFeld zeigt das Potenzial für Hochschulen auf, wenn sie Nachhaltigkeit nicht nur als interne Aufgabe, sondern als gemeinsames Gestaltungsfeld mit ihrem Umfeld begreifen. Die entwickelten Ideen sind Bausteine für konkrete Weiterentwicklungen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement und ihre Ideen.
Kontakt
Mechthild Bonnen, Wiss. Mitarbeiterin (HWR Berlin)
+49 (0)30 30877-2897
mechthild.bonnen@hwr-berlin.de
Leo Fenster, Organisation/Kommunikation (HWR Berlin)
+49 30 30877- 1565
leo.fenster@hwr-berlin.de