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Vom Dämmplatten-Verschnitt zum Wertstoff: Neue Ideen für die Baustelle

(c) Leo Fenster / Zukunft findet Stadt

Wir alle leben, arbeiten oder lernen unter Dächern, die bestenfalls gut gedämmt sind. Doch was passiert mit den Verschnitten, die beim Bau entstehen? Auf einem Innovation Work Retreat in Drahnsdorf arbeiteten Forschung, Handwerk und Industrie gemeinsam an Lösungen, damit Dämmplatten-Verschnitt als Wertstoff erhalten bleibt.

Weißt du, womit das Dach über deinem Kopf gedämmt ist? Die meisten von uns wahrscheinlich nicht. Dabei spielen Dämmstoffe eine wichtige Rolle für Energieeffizienz und Klimaschutz. 

Besonders häufig kommt dabei Polyurethan (PU) zum Einsatz – ein vielseitiger Kunststoff, der sich nicht nur in Dämmplatten, sondern auch in Matratzen, Schuhsohlen oder Montageschäumen findet.

Wo Dämmstoffe verarbeitet werden, entsteht jedoch auch Verschnitt. Auf Baustellen fallen regelmäßig Reste von Dämmplatten und Hartschaum an. Diese Materialien sind wertvolle Rohstoffe, landen aber häufig nicht im Recyclingkreislauf. Stattdessen werden sie entsorgt und thermisch verwertet – obwohl sie grundsätzlich erneut genutzt werden könnten.

Genau dieser Herausforderung widmete sich die Kreislaufwerkstatt Dämmstoffe, die Ende Mai im Projektraum Drahnsdorf stattfand. Die zentrale Frage lautete:

Wie können PU-Verschnitte sinnvoll in den Kreislauf zurückgeführt werden, ohne zusätzliche Hürden für die Praxis zu schaffen?

Die gute Nachricht: Ein Rücknahmesystem für sortenreine PU-Verschnitte existiert bereits.

Initiiert von der Landesinnung des Dachdeckerhandwerks Berlin, der Erich Weit GmbH, der DWF Baustoff-Fachhandel GmbH und dem IVPU – Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e. V. können sortenrein gesammelte PU-Reste zurückgeführt und zu hochwertigen Funktionswerkstoffen sowie Dämmstoffen verarbeitet werden.

Die Herausforderung liegt weniger in der technischen Machbarkeit als in der Umsetzung auf der Baustelle.

Warum wird das Angebot bislang nur begrenzt genutzt? Welche Hürden erleben Handwerksbetriebe im Alltag? Wie können Sammel- und Rückgabeprozesse einfacher werden? Und welche Geschichte muss erzählt werden, damit mehr Akteure den Mehrwert erkennen?

Zwei Tage gemeinsames Arbeiten an einer komplexen Herausforderung

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, brachte die Kreislaufwerkstatt Menschen aus Forschung, Handwerk und Industrie zusammen.

Im Rahmen eines Design-Thinking-Prozesses analysierten die Teilnehmenden zunächst die Herausforderungen entlang des gesamten Kreislaufsystems. Inputs zu PU-Recycling und Veränderungsprozessen ergänzten die gemeinsame Bestandsaufnahme.

Anschließend standen die Perspektiven der Praxis im Mittelpunkt. In Interviews und Gesprächen mit Dachdeckermeistern und weiteren Akteuren des Systems wurden Erfahrungen, Bedürfnisse und Herausforderungen sichtbar gemacht.

Denn gute Lösungen entstehen nur dann, wenn diejenigen einbezogen werden, die später mit ihnen arbeiten sollen.

Von der Herausforderung zur Idee

Aus den Gesprächen kristallisierten sich zwei Leitfragen heraus:

  • Welche Geschichte müssen wir erzählen, um alle Beteiligten mitzunehmen?
  • Wie kann der Recyclingprozess möglichst einfach und kostengünstig gestaltet werden?

Auf dieser Grundlage entwickelten die Teilnehmenden erste Lösungsansätze und Prototypen.

Darunter waren Ideen für neue Produkte aus PU-Verschnitt ebenso wie Überlegungen zu vereinfachten Sammel- und Logistikprozessen. Auch ungewöhnliche Ansätze wurden diskutiert – etwa mobile Systeme zur Sammlung und Vorverarbeitung direkt vor Ort auf Baustellen.

Noch sind dies erste Konzepte. Doch sie zeigen, welches Innovationspotenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven gemeinsam an einer konkreten Herausforderung arbeiten.

Raum für neue Perspektiven

Dass die Kreislaufwerkstatt im Projektraum Drahnsdorf stattfand, war kein Zufall. Abseits des Arbeitsalltags bot der Ort Raum für intensive Diskussionen, neue Blickwinkel und kreative Zusammenarbeit.

Die entstandenen Ideen werden nun weiter reflektiert und bewertet. Welche Ansätze weiterverfolgt werden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Fest steht bereits heute: Die Kreislaufwirtschaft im Bausektor gelingt nicht allein durch neue Technologien. Sie braucht ebenso praktikable Prozesse, Akzeptanz in der Anwendung und den Austausch zwischen den Menschen, die sie gestalten.

Danke an alle Beteiligten

Ein herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden und Unterstützer*innen der Kreislaufwerkstatt Dämmstoffe.

Beteiligt waren Vertreter*innen aus Handwerk, Industrie und Wissenschaft, darunter die Handwerkskammer Berlin, der IVPU - Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e.V., die Maler- und Lackiererinnung Berlin-Brandenburg, die Berliner Hochschule für Technik sowie die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

Ebenso danken wir den zahlreichen Expert*innen, die über Interviews ihre Erfahrungen, Perspektiven und Ideen eingebracht haben.

Wir sind gespannt auf die nächsten Schritte und informieren über weitere Entwicklungen.

Kontakt

Mechthild Bonnen, Wiss. Mitarbeiterin (HWR Berlin)
+49 (0)30 30877-2897
mechthild.bonnen@hwr-berlin.de

Leo Fenster, Organisation/Kommunikation (HWR Berlin)
+49 30 30877- 1565
leo.fenster@hwr-berlin.de

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