Radeln, Reisen, Richtungswechsel: Wie Berliner Hochschulen nachhaltige Mobilität stärken
Rund 7 Tonnen CO₂-Einsparung in drei Wochen: Beim STADTRADELN 2025 zeigten Berliner Hochschulangehörige, was gemeinsames Engagement für nachhaltige Mobilität leisten kann. Doch der Wettbewerb ist nur ein Anfang. Die Hochschulen arbeiten daran, es ihren Mitgliedern so leicht wie möglich zu machen, klimafreundlich, gesund und zugänglich mobil zu sein.
Wie wir uns täglich zur Arbeit, zur Vorlesung oder zum nächsten Projektmeeting bewegen, hat direkte Auswirkungen auf das Klima. Besonders in einer Stadt wie Berlin, in der täglich Hunderttausende pendeln, ist nachhaltige Mobilität ein zentraler Baustein der Verkehrswende. Die fünf Hochschulen des Netzwerks „Zukunft findet Stadt“ sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Studierende, Lehrende und Mitarbeitende können durch individuelle Mobilitätsentscheidungen zur CO₂-Reduktion beitragen – sofern passende Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Ein starkes Zeichen: STADTRADELN 2025
Vom 16. Mai bis zum 5. Juni 2025 trat Berlin wieder in die Pedale. Beim diesjährigen STADTRADELN, organisiert von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, wurden berlinweit über 6,9 Millionen Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. Unter den rund 35.000 Teilnehmenden waren 307 Hochschulangehörige aus dem Netzwerk „Zukunft findet Stadt“.
Gemeinsam erradelten sie 50.153 Kilometer – und sparten rund 7 Tonnen CO₂ ein. Trotz unterschiedlicher Teamgrößen verfolgten alle dasselbe Ziel: Aufmerksamkeit für klimafreundliche Mobilität schaffen.
(c) BHT
Mehr als ein Wettbewerb: Infrastruktur und Kooperation
STADTRADELN zeigt das Potenzial kollektiver Motivation. Doch nachhaltige Mobilität braucht mehr als einen Aktionsmonat – sie braucht dauerhafte Strukturen. Ein Beispiel ist die neue Fahrradreparatursäule am Campus der Berliner Hochschule für Technik (BHT), die im Beisein von Bezirksstadtrat Christopher Schriner eingeweiht wurde (LinkedIn). Die Station steht nicht nur Hochschulangehörigen, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung – ein niedrigschwelliges Angebot zur Förderung des Radverkehrs.
An der HWR Berlin stehen an beiden Standorten in Lichtenberg und Schöneberg öffentlich zugängliche Reparatursäulen bereit. Die HTW Berlin betreibt eine Reparatursäule am Haus der Transformation und ein Leihfahrradsystem für das Pendeln zwischen den Standorten Treskowallee und Wilhelminenhof. Weitere Infrastrukturmaßnahmen – etwa sichere Abstellmöglichkeiten, Fahrradpumpen oder Duschgelegenheiten für Pendler*innen – werden hochschulübergreifend diskutiert. Auch KHSB und EHB bringen sich aktiv ein – etwa beim STADTRADELN oder im Rahmen des IWR Mobilität.
(c) HWR Berlin / Sylke Schumann
Mobilität gemeinsam weiterdenken: Das IWR Mobilität
Wie lassen sich Hochschulstandorte, die oft außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings liegen, besser miteinander und mit der Stadt vernetzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Innovation Work Retreat Mobilität im März 2025. Im Bezirk Lichtenberg liegen vier Hochschulstandorte so nah beieinander, dass gemeinsame Mobilitätslösungen sinnvoll und umsetzbar sind (Mehr Infos hier).
Ziel des Retreats war es, praxisnahe Konzepte zu entwickeln, die nun in verschiedenen Konstellationen weiterverfolgt werden. Alle fünf Hochschulen waren vertreten. Auch die Evangelische Hochschule Berlin (EHB), deren Campus in Zehlendorf liegt, beteiligte sich aktiv: Vizepräsidentin Prof. Dr. Lena Kreck brachte Perspektiven aus der Hochschulentwicklung und zur sozialen Teilhabe ein.
Was bedeutet „nachhaltige Mobilität“ konkret?
Nachhaltige Mobilität zielt darauf ab, Umweltbelastungen durch Verkehr zu verringern – insbesondere CO₂, Feinstaub und Stickoxide. Sie setzt auf geringeren Ressourcenverbrauch, effiziente Energienutzung und langfristige Lösungen. Zudem sind soziale Aspekte zentral: Mobilität soll für alle zugänglich und bezahlbar sein – unabhängig von Einkommen oder sozialem Status. Letztlich geht es um eine generationengerechte Mobilität.
Nachhaltige Mobilität betrifft nicht nur den Weg zur Hochschule, sondern auch den Warentransport in der Stadt. Zwei aufeinander aufbauende IFAF-Forschungsprojekte – WAS-PAST und TUrLo – unter Leitung der HTW Berlin und mit Beteiligung der BHT zeigen, wie kleinteilige und emissionsarme Logistik im urbanen Raum gestaltet werden kann.
Im März 2024 startete im Projekt TUrLo ein Feldversuch zur „Smarten Logistik in Marienfelde“ (SLiM). Statt vieler Einzellieferungen werden Waren für ein Industriegebiet gesammelt, in Großbeeren gebündelt und emissionsarm zugestellt. Die HTW Berlin leitet das Projekt und begleitet es wissenschaftlich. Auch Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner und Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann informierten sich vor Ort. Die Initiative zeigt, wie Hochschulen gemeinsam mit Wirtschaft und Verwaltung nachhaltige Mobilität voranbringen können.
Jeder Weg zählt: Alternativen zum Auto, Rad oder Flug
Der Weg zur Hochschule, die Dienstreise oder der Besuch beim Projektpartner – die Wahl des Verkehrsmittels hat Folgen. Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, verursacht keine direkten Emissionen. Der ÖPNV ist deutlich klimaschonender als das Auto, das etwa 2,5-mal so viel CO₂ verursacht. Eine Flugreise erzeugt laut Umweltbundesamt fast achtmal so viele Emissionen wie eine Bahnfahrt.
Um nachhaltige Entscheidungen zu erleichtern, bieten die Hochschulen u. a. ein bundesweites Semesterticket. Für Beschäftigte gibt es das Deutschlandticket-Job für nur 40,10 Euro monatlich. Zudem lassen sich Sharing-Angebote über die Jelbi-App nutzen, um die letzte Meile flexibel zu überbrücken.
Auch bei weiteren Wegen bestehen Möglichkeiten: An der HWR Berlin gilt seit 2024 eine neue Dienstreiseverordnung, die klimafreundliche Entscheidungen unterstützt. Zusätzlich fördert das Erasmus+-Programm „Green Travel“ klimaschonende Mobilität bei internationalen Kooperationen – inklusive zusätzlicher Reisetage.
Fazit: Viel erreicht – und noch viel zu tun
Das Engagement der Hochschulen ist ein Beitrag zur CO₂-Reduktion – und ein Lernfeld für urbane Transformation. Gleichzeitig wird deutlich: Der Umbau von Mobilität an Hochschulen braucht Geduld, Ressourcen und die Bereitschaft, Routinen infrage zu stellen.
Das Projekt „Zukunft findet Stadt“ bleibt am Thema: In der zweiten Jahreshälfte 2025 widmet sich das Format KiezTalks gezielt der Frage, wie Berliner*innen sich in ihren Kiezen klimafreundlich fortbewegen – und welche Rolle Hochschulen, Verwaltung und Zivilgesellschaft dabei spielen können.