Wir müssen reden!
Bei den KiezTalks drehte sich 2025 nicht nur das Glücksrad um das Thema Mobilität
Berlin, im Sommer 2025: Während die einen entspannt am Spreeufer sitzen, verbringen zahlreiche Menschen die laue Sommernacht freiwillig drinnen. Denn zur Langen Nacht der Wissenschaften haben zahlreiche Institutionen spätabends noch ihre Türen geöffnet. So auch das Museum für Naturkunde. Zwischen Dinosaurierknochen und Tierpräparaten hat sich das Team der KiezTalks einen besonderen Ort ausgesucht, um mit den Besucher*innen über ein Thema zu reden, das uns alle angeht: Mobilität und Bewegungsfreiheit. Das Glücksrad rattert, beantwortet werden Fragen über Herausforderungen in der täglichen Mobilität, über Barrieren und zur Rolle der Wissenschaft. Gewinne und Bastelecke locken auch die jüngsten Wissenschaftsenthusiast*innen.
Warum das Ganze? Die KiezTalks, das an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) organisierte Dialogformat von Zukunft findet Stadt, möchten getreu dem Motto „Wir müssen reden“, zur Reflexion über „Bewegungsfreiheit“ aus verschiedenen Perspektiven anregen. Denn Bewegungsfreiheit hat viele Seiten. Als „Freiheit der Person“ ist die körperliche Bewegungsfreiheit in Deutschland im Grundgesetz (Art. 2 und Art. 104) verankert. Vor allem spielen daneben auch Faktoren wie Teilhabe, Selbstständigkeit oder Lebensqualität eine wichtige, wenn nicht sogar wichtigere Rolle.
Faktoren, die hohe Relevanz für das Studium der Sozialen Arbeit haben, insbesondere mit Blick auf den Schwerpunkt der stadtteilorientierten Arbeit. Gemeinsam mit Prof. Dr. Sarah Häseler und Prof. Dr. Ulrike Brizay von der KHSB bildete die Konzeption eines Podiumsgesprächs den zweiten Baustein des Mobilitätsthemas. Im Oktober 2025 folgten zahlreiche Studierende und externe Interessierte der Einladung in die Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Ausgehend von der Frage Was bedeutet Bewegungsfreiheit in der Stadt für dich? brachten die KiezTalks diesmal zwar kein Glücksrad, dafür mehrere spannende Gesprächspartner*innen mit je verschiedenen Blickwinkeln auf das Thema Bewegungsfreiheit mit:
Während Lisa Siegner und Kira von Wedel (Outreach gGmbH) für die Perspektive von jungen Mädchen mit Fluchthintergrund sensibilisierten, gewährte Daniela Kaup Einblicke in ihre Arbeit als Beauftragte für Menschen mit Behinderungen des Bezirksamts im Berliner Bezirk Lichtenberg – und in die alltäglichen Mobilitäts-Herausforderungen dieser Personengruppen. Spricht man über Barriere- und Bewegungsfreiheit, landet man schnell beim Thema Stadtentwicklung. Prof. Dr. Florian Koch (HTW Berlin) und Ragnhild Sørensen (Changing Cities e. V.) ergänzten daher die Runde um ihre Sichtweisen – einerseits als Forschender, andererseits als Vertreterin einer zivilgesellschaftlichen Initiative für lebenswertere Städte.
Für die Studierenden bildete die Veranstaltung den Auftakt zum Schwerpunktseminar „Stadtteilorientierte Arbeit“ an der KHSB. Auf der Grundlage des Inputs wandten die Studierenden im Wintersemester 2025 verschiedene Methoden der Sozialen Arbeit (Stadtteilbegehungen, Netzwerkanalysen, Photovoice und persönliche Gespräche) im Bezirk Friedrichsfelde Süd in Berlin-Lichtenberg an. Das Team der KiezTalks begleitet diesen Prozess gemeinsam mit den Seminarleiterinnen und unterstützt die angehenden Sozialarbeiter*innen mit praktischen Tipps zur Projektplanung. Den Abschluss bildete eine lebendige Ausstellung vor der Bodo-Uhse-Bibliothek am U-Bahnhof Tierpark, anhand derer die Studierenden mit Passant*innen zu Alltagsproblemen ins Gespräch kamen.
Unser „Transfer-Kreislauf“ rund um das Mobilitätsthema schließt sich damit: Ausgehend vom Kontakt mit der Zivilgesellschaft bei der Langen Nacht der Wissenschaften wurde das Thema in der Hochschullehre aufgegriffen, durch Perspektiven aus der Praxis ergänzt und auf dieser Grundlage wurden schließlich neue Formate für den Austausch mit der Bevölkerung entwickelt.
Was bedeutet Bewegungsfreiheit in der Stadt für dich?
Zum ausführlichen Rückblick auf das Podiumsgespräch vom 21. Oktober 2025 geht es hier.